Immobilienkauf: 10 Dinge, die nicht im Exposé stehen

Ein Exposé soll verkaufen. Was nebenan gebaut wird, wie laut es nachts ist oder welche Auflagen gelten, steht dort meist nicht. Diese zehn Punkte sollten Sie vor dem Kauf prüfen.

Ratgeber 3 Min. LesezeitStand: Oktober 2026

Kurz gesagt

  • Ein Exposé zeigt die Immobilie von ihrer besten Seite — Baustellen, Lärm, Auflagen und die Entwicklung des Viertels stehen dort meist nicht.
  • Fast alles davon lässt sich amtlich prüfen. Am besten vor der Besichtigung: Dann wissen Sie, was Sie fragen müssen.

Der Exposé-Übersetzer

Im Exposé steht …Prüfen Sie
„unverbaubarer Blick“Bauprojekte nebenan →
„ruhige Lage“Lärm →
„Altbau mit Charme“Denkmalschutz →
„gepflegte Nachbarschaft“Kriminalität →
„Verhandlungsbasis“Preise und Mieten →
„gute Anbindung“Internet und Alltag →
… meist gar nichts zuHochwasser und Starkregen, Milieuschutz und Sanierungsgebiet, Zwangsversteigerungen, Förderungen

1. Bauprojekte nebenan

Was nebenan gebaut werden darf, regelt der Bebauungsplan — gibt es keinen, muss sich ein Neubau in die Umgebung einfügen. Konkrete Pläne stehen oft nur in Ratsbeschlüssen.

Warum das wichtig ist: Was nebenan entsteht, prägt Ihren Alltag. Beispiel: Ein großes Einkaufszentrum bringt Lieferverkehr, Lärm bis spät abends und viel fremdes Publikum — eine neue Straßenbahnlinie oder ein Park kann den Wert dagegen steigern.

So prüfen Sie es: Bebauungsplan im Geoportal der Stadt, Straßennamen im Ratsinformationssystem suchen.

Bauamt bzw. Geoportal der Stadt

Im LageCheck-Bericht

2. Lärm

Im Exposé steht „ruhige Lage“. Was es verschweigt:

Amtliche Lärmkarten zeigen Straße, Schiene, Flugverkehr und Industrie — Kneipen und Nachbarn nicht. Besichtigen Sie deshalb auch abends.

Warum das wichtig ist: Dauerlärm raubt Schlaf und macht den Wiederverkauf schwerer. Beispiel: Eine Wohnung an der Hauptstraße wirkt bei der Besichtigung am Sonntag ruhig — werktags um sechs Uhr mit gekipptem Fenster nicht mehr.

Prüfen: Lärmkarte des Landes, vor allem den Wert für die Nacht.Umweltbundesamt Im LageCheck-Bericht · amtlich in zehn Bundesländern, sonst recherchiert

3. Hochwasser und Starkregen

In Überschwemmungsgebieten gelten besondere Bauregeln, und die Versicherung kann teurer werden. Starkregen trifft auch Häuser fern von jedem Fluss.

Warum das wichtig ist: Wasser ist einer der teuersten Schäden am Haus. Beispiel: Nach einem Starkregen steht der Keller unter Wasser — ohne Elementarschadenversicherung zahlen Sie selbst, und in gefährdeten Lagen ist sie teuer oder schwer zu bekommen.

So prüfen Sie es: Hochwasserkarte des Landes, bei der Gemeinde nach einer Starkregenkarte fragen.

Hochwasserrisiko-Karten (BfG)

Im LageCheck-Bericht · amtlich in zehn Bundesländern, sonst recherchiert

4. Denkmalschutz

Im Exposé steht „Altbau mit Charme“. Was es verschweigt:

Fast jede Änderung braucht eine Genehmigung, bis zu Fenstern und Fassade. Dafür sind Sanierungskosten steuerlich stark begünstigt — wenn Sie die Arbeiten vorher mit der Denkmalbehörde abstimmen.

Warum das wichtig ist: Denkmalschutz entscheidet, was Sie umbauen dürfen. Beispiel: Kunststofffenster, eine Dachgaube oder eine Solaranlage auf dem Dach können abgelehnt werden — für eine genehmigte und bescheinigte Sanierung gibt es dafür Steuervorteile.

Prüfen: Denkmalliste des Landes.§ 7i EStG Im LageCheck-Bericht · amtlich, wo das Land eine Denkmalkarte anbietet, sonst recherchiert

5. Milieuschutz und Sanierungsgebiet

Im Milieuschutzgebiet brauchen Umbau und Modernisierung eine Genehmigung. Im Sanierungsgebiet kann die Stadt später einen Ausgleichsbetrag verlangen — für den Bodenwert, der durch die Sanierung gestiegen ist.

Warum das wichtig ist: Beides schränkt Ihre Pläne ein oder kostet später Geld. Beispiel: Zwei Wohnungen zusammenlegen oder einen zweiten Balkon anbauen kann im Milieuschutzgebiet abgelehnt werden; im Sanierungsgebiet kann Jahre nach dem Kauf eine Rechnung der Stadt kommen.

So prüfen Sie es: Bei der Gemeinde fragen — auch, ob ein Ausgleichsbetrag schon bezahlt ist.

§ 172 BauGB § 154 BauGB

Im LageCheck-Bericht · amtlich, wo die Stadt die Gebiete veröffentlicht, sonst recherchiert

6. Kriminalität

Die Polizeiliche Kriminalstatistik gibt es für jeden Kreis und jede Großstadt, in einigen Städten je Viertel. Vergleichen Sie Fälle je 100.000 Einwohner, nicht absolute Zahlen.

Beispiel: Wohnungseinbrüche je 100.000 Einwohner, 2025
Schöneberg Südwest367
Berlin gesamt272

Rund 1,35-mal so viele wie im Berliner Schnitt — aus unserem Beispielbericht für das Rathaus Schöneberg. Quelle: Kriminalitätsatlas Berlin (Polizei Berlin).

Warum das wichtig ist: Sicherheit ist für viele der wichtigste Wohlfühlfaktor — und für spätere Käufer oder Mieter ein Argument. Beispiel: Liegen Wohnungseinbrüche deutlich über dem Stadtschnitt, planen Sie bessere Türen und Fenster gleich mit ein.

So prüfen Sie es: Wohnungseinbrüche mit dem Schnitt von Stadt und Land vergleichen.

Bundeskriminalamt

Im LageCheck-Bericht · je Kreis und Großstadt, in einigen Städten je Viertel

7. Preise und Mieten

Im Exposé steht „Verhandlungsbasis“. Was es verschweigt:

Ob der Preis passt, zeigt der Vergleich mit dem Bodenrichtwert und den Preisen im Stadtteil. Wer vermieten will, braucht dazu den Mietspiegel.

Warum das wichtig ist: Der Preis ist Ihr größter Hebel. Beispiel: Liegt der Angebotspreis deutlich über dem Niveau im Stadtteil, haben Sie ein starkes Argument für die Verhandlung — sonst zahlen Sie womöglich drauf.

Prüfen: Bodenrichtwert nachschlagen, Angebote im Stadtteil vergleichen.BORIS-D Im LageCheck-Bericht · Preisniveau und Mieten im Stadtteil

8. Zwangsversteigerungen

Viele Versteigerungen in der Nähe können auf Probleme im Viertel hinweisen — oder auf Gelegenheiten.

Sie sind ein Hinweis, kein Urteil. Beispiel: Mehrere Versteigerungen in derselben Wohnanlage sind ein guter Anlass, nach Rücklagen und Streit in der Eigentümergemeinschaft zu fragen — die Ursachen können aber auch ganz persönlich sein.

Prüfen: Im Portal der Länder nach Ort und Postleitzahl suchen.

ZVG-Portal

Im LageCheck-Bericht · in 14 der 16 Bundesländer

9. Internet und Alltag

Gemeint ist meist der Verkehr. Ob Glasfaser liegt und wie weit Supermarkt, Kita und Arzt zu Fuß sind, steht selten im Exposé.

Diese Dinge spüren Sie jeden Tag. Beispiel: Für Homeoffice und Videotelefonie zählt die Bandbreite, die wirklich ankommt — und ob Kita und Supermarkt zu Fuß, mit dem Rad oder der Bahn gut erreichbar sind.

Prüfen: Versorgung im Gigabit-Grundbuch, Wege einmal selbst gehen.

Gigabit-Grundbuch

Im LageCheck-Bericht

10. Förderungen

Bund, Land und Stadt fördern Kauf und Sanierung mit Krediten, Zuschüssen und Steuervorteilen. Entscheidend ist die Reihenfolge: Viele Anträge müssen vor dem Kaufvertrag stehen.

Warum das wichtig ist: Förderungen können viel Geld sparen. Beispiel: Familien mit Kind können für einen Altbau mit schlechter Energieklasse den zinsgünstigen KfW-Kredit „Jung kauft Alt“ bekommen, wenn Einkommen und Sanierungsplan passen — der Antrag muss vor dem Notartermin stehen.

So prüfen Sie es: Programme vor dem Notartermin durchsehen.

KfW

Im LageCheck-Bericht · Bund, Land und Kommune, passend zur Adresse

Und das Objekt selbst?

Zum Objekt selbst gehören Grundbuch, Teilungserklärung, Protokolle der Eigentümerversammlungen und Energieausweis — das prüfen Sie mit Verkäufer und Notar.

Alles auf einen Blick — für Ihre Adresse

LageCheck prüft diese Punkte für jede deutsche Adresse — amtlich, wo es die Daten gibt, sonst recherchiert und gekennzeichnet. Mit der Quelle an jeder Angabe.

Allgemeine Information, keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung. Stand: Oktober 2026.